Bischof Petro Kryk
  Apostolischer Exarch

Apostolische Exarchie für
  katholische Ukrainer des byzantinischen Ritus
in 
Deutschland und Skandinavien

   
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Gelobt sei Jesus Christus!


Geschichte – das ist nicht nur eine Ansammlung von Fakten, sondern es geht um menschliche Schicksale, um Freude und Leid. Geschichte – das ist die Wurzel, aus welcher der Lebensbaum wächst, auch der Lebensbaum unseres eigenen Lebens, unserer Kirche, unserer Gesellschaft. Geschichte – das sind große Gestalten – und auch namenlose Kreuze am Straßenrand.
Das vergangene Jahrhundert geht für uns Ukrainer in die Geschichte ein als ein Jahrhundert der extremen Gegensätze. Die ukrainische Kirche und der ukrainische Staat, und mit ihnen das ganze ukrainische Volk, haben im vorigen Jahrhundert das Leid erlebt, das Unfreiheit und Unterdrückung mit sich bringen, und jahrzehntelang um die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit unseres Staates Ukraine gekämpft. Dieser Traum ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Dennoch war der Weg dorthin voller Dornen. Millionen von Menschen verloren ihr Leben in den Kriegen, sind Opfer von Verfolgungen der Diktatur und der Ideologien geworden.


Diese Dornen verursachen noch heute Schmerzen, besonders bei denen, die im eigenen Leben von diesen Dornen verletzt wurden. Es sind Familien, die bis heute nach dem Ort suchen, an dem ihre Familienangehörigen, die Opfer dieser schrecklichen Ereignisse geworden sind, ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Es gibt so viele Namen, die auf keiner Gedenktafel zu finden sind, so viele namenlose Kreuze, die den Weg unserer Geschichte säumen und die uns zurufen: „Halt, bleib stehen, verneige Dich ...!“
Heute begehen wir den 75. Jahrestag des Holodomor (Hunger-Genozid) in der Ukraine in den Jahren 1932-33. Es sind erschreckende Zahlen, die die Verluste des ukrainischen Volkes bezeichnen: mehr als 10 Millionen Opfer des Holodomor in den Jahren 1932-33; 1,5 Millionen Menschen, die während der Zeit des Bürgerkriegs verhungert sind; ca. 2 Millionen Opfer des Holodomor in den Jahren 1946-47. Diese Zahlen sind keine abstrakten Größen – hinter ihnen verbergen sich menschliche Schicksale, menschliche Schmerzen und Leiden, Verluste, Tränen der Mütter und der Kinder.
75 Jahre – das ist mehr als eine Generation, aber es ist zu wenig, als dass alles, was geschehen ist, in Vergessenheit geraten dürfte. Nein, diese schrecklichen Geschehnisse dürfen nicht vergessen werden: Wer die eigene Geschichte vergisst, der verliert die Zukunft.
In seiner Ansprache an die Hierarchen der ukrainischen Kirchen und die Leiter der religiösen Organisationen unterstreicht der Präsident der Ukraine, dass „diese schreckliche Tragödie das Leben von Millionen unschuldiger Menschen gekostet hat. Sie sind Opfer des Genozids gegen das ukrainische Volk durch das gottlose kommunistische Regime geworden – 10 Millionen erwachsener Menschen und Kinder, getötet durch Hungerstod.“
Heute wenden wir uns an Sie, unsere ukrainischen Mitbürger, wir wenden uns an alle Menschen, die der Geschichte der Menschheit nicht gleichgültig gegenüberstehen, denen die Tränen der Mütter nicht gleichgültig sind, denen die Zukunft nicht gleichgültig ist. Wenn wir heute der Opfer des Holodomor gedenken, erkennen wir, dass unser Leben und unser Sterben in Gottes Händen liegt, dass Gott auch auf ungeraden Wegen geht, dass er auch unter den Dornenstacheln eine Blume des Lebens erblühen lässt. Eine solche Blüte ist unser Staat, ist unser Leben, welches wir ihnen verdanken, für welches wir ihnen danken – den unbeugsamen Opfern, deren Namen eingetragen sind auf den namenlosen Kreuzen.
Wir laden Sie alle ein, liebe Brüder und Schwestern in Christus, am 24. November, am Jahrestag des Gedenkens der Opfer des Holodomor, sich der ganzen Ukraine anzuschließen und in einem demütigen Gebet den tausenden verstorbenen Priestern, Gläubigen verschiedener Kirchen und Konfessionen, den Millionen von Opfern des Genozids die Ehre zu erweisen, die Ehre unserer Geschichte, und Gottes Segen für unsere Zukunft zu erbitten.
Gott möge die Seelen der verstorbenen Diener Gottes mit den Heiligen ruhen lassen und erhalte sie in ewiger Erinnerung!

Bischof Petro Kryk
Apostolischer Exarch

Bischof Andriy
UAOK

 

 

 

 

 

 

       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


   

 

 

 

 

 

 


Holodomor 1932-1933


1959-2009
JUBILÄUM 50-Jahre Exarchie