Die ukrainische griechisch-katholische Kirche (UGKK)


Die UGKK gehört zur Kirchengruppe der Kirchen des byzantinischen Ritus, welche in voller Einheit mit dem Apostolischen Stuhl stehen und seine geistige und rechtliche Oberhoheit anerkennen. „Ritus“ bedeutet in diesem Kontext die liturgische, theologische, geistige und rechtliche Tradition. Die UGKK ist die größte katholische Ostkirche eigenen Rechts (sui juris).

 
Namen, mit denen die Kirche bezeichnet wird:

 

  • Unierte Kirche
  • Ukrainische Katholische Kirche
  • Ukrainische Katholische Kirche des byzantinischen Ritus
  • Kiewer Katholische Kirche


Der Begriff „griechisch-katholische Kirche“ wurde von der österreichischen Monarchin Maria-Theresia im Jahre 1774 eingeführt, um sie von den römisch-katholischen und der armenischen katholischen Kirche zu unterscheiden.

In offiziellen kirchlichen Dokumenten wurde für die UGKK der Begriff „Ecclesia Ruthena unita“ gebraucht. Ab 1960 taucht in den offiziellen Bezeichnungen der Name „Ukrainische Katholische Kirche“ auf, womit vor allem die in der Diaspora lebenden ukrainischen Katholiken bezeichnet wurden sowie auch die Untergrundkirche in der damaligen Sowjet-Ukraine. In der päpstlichen Jahresstatistik Annuario Pontificio gebraucht man die Bezeichnung „Ukrainische Katholische Kirche des byzantinischen Ritus“. Bei der Bischofssynode der UGKK im September 1999 wurde die Bezeichnung „Kiewer Katholische Kirche“ vorgeschlagen, wodurch die Identität der Kirche unterstrichen würde.


Die Geschichte der UGKK:


Aus den Materialien eines Referats von Dr. Oleg Turij (Institut der Kirchengeschichte, Lviv, Ukraine), gehalten am 15. September 2000 in Freising.

Die Ukraine hat eine lange christliche Geschichte, welche ihren Anfang im 10. Jahrhundert nimmt. Heute gibt es in der Ukraine mehr als 22.000 religiösen Gruppierungen mit fast 80 unterschiedlichen christlichen Ausrichtungen. Auch wenn die atheistische sowjetische Propaganda letztlich ohne Erfolg blieb, hat sie dennoch zur Folge – aufgrund der geistigen Leere nach dem Zusammenbruch des Sowjetregimes in Osteuropa –, dass viele Ukrainer keiner der Kirchen angehören wollen.


Bekehrung der Ukraine und Reibereien zwischen Westen und Osten


Im Jahre 988, noch vor der kirchlichen Spaltung von 1054, welche das Christentum in West- und Ostkirche teilte, führte Großfürst Wolodymyr das Christentum im östlichen (byzantinisch-slawischen) Ritus als Staatsreligion der Kiever Rus ein. Die Kiewer Kirche vererbte die Tradition des byzantinischen Ostens und gehörte zum Patriarchat von Konstantinopel. Dennoch bliebt sie in der vollen Gemeinschaft mit den lateinischen Kirchen des Westens und ihrem Patriarchen – dem Papst in Rom.
Ungeachtet der Streitigkeiten zwischen Konstantinopel und Rom bemühte sich die kirchliche Hierarchie in Kiew, die christliche Einheit zu bewahren. Die Gesandten der Kiever Rus nahmen an den Konzilien der Westkirche in Lyon (1245) und in Konstanz (1418) teil; der Kiewer Patriarch Metropolit Isydor war sogar einer der Initiatoren der Union von Florenz (1439).
Während die Metropolie von Kiew an der Wiederherstellung der Einheit arbeitete, entstand nördlich von Kiew, in Moskau, eine neue Metropolie. Die Kirche von Moskau erteilte der Union von Florenz eine Absage und trennte sich von der alten Kiewer Metropolie. Hierbei rief sie auch die Autokephalie (Selbstverwaltung) aus (1488). Im Jahre 1589 erlangte Moskau aufgrund des Niedergangs der griechischen Orthodoxie mit dem Fall von Konstantinopel, das unter türkische Herrschaft gefallen war, den Status des Patriarchats.


Römische Union im Jahre 1596 und Spaltung der Kirche in Ost und West


Die protestantische Reformation und der post-tridentinische Katholizismus zwangen die Kiewer Kirche, Stellung zu beziehen. Zugleich erlebte diese Kirche auch eine eigene innere Krise. Auf der 1. Synode wurde die Entscheidung getroffen, die Jurisdiktion des Apostolischen Stuhls anzuerkennen, wobei die Tradition des östlichen Ritus und die eigene kirchliche und ethno-kulturelle Eigenheit bewahrt werden sollten. Dieses Modell der kirchlichen Einheit wurde beim Konzil in Brest im Jahre 1596 bestätigt. Dies war die institutionelle Geburtstunde der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine.
Ein Teil der Kirchenhierarchie und der Gläubigen der Metropolie von Kiew beharrte jedoch auf der Einhaltung der kanonischen Zugehörigkeit zum Patriarchat in Konstantinopel. Aufgrund der inneren Spaltung stellte sich die Zentral- und Ostukraine im Jahre 1654 schließlich unter die „hoheitliche Hand des einziggläubigen Moskauer Herrschers“. Wenige Jahre später wurde auch die Kiewer Metropolie dem Moskauer Patriarchat unterstellt (1686). Mit der Entwicklung des russischen Imperiums verstärkten sich auch die Repressionen gegen die Gläubigen der griechisch-katholischen Kirche, und es folgten mehrere Versuche ihrer gewaltsamen Bekehrung zur verstaatlichten Russischen Orthodoxie (1772, 1795, 1839 und 1876).
Die orthodoxe Geistlichkeit und die Gläubigen der Ukraine waren mit der engen Verflechtung zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und dem imperialistischen Staat mit seinen großrussischen nationalen Interessen unzufrieden. Dies führte zu einer „ukrainophilen“ Strömung innerhalb der Ukrainischen Kirche, welche nach der russischen Oktoberrevolution im Jahre 1917 zu einer organisierten Bewegung für die Authokephalie der ukrainischen Orthodoxie anwuchs. Dennoch scheiterten die Versuche in den Jahren 1920 und 1940, die Ukrainische Orthodoxe Kirche vom Moskauer Patriarchat unabhängig zu machen, am erbitterten Widerstand und an den Repressionen der Sowjetmacht.


Polnische und österreichisch-ungarische Herrschaft im Westen der Ukraine


In der Zeit des Konzils von Brest stand die gesamte Ukraine unter der Herrschaft des polnisch-litauischen Staates. Im westlichen Teil der Ukraine, welcher längere Zeit unter polnischer Herrschaft blieb, war die Kirche der Hauptträger der kulturellen und religiösen Identität der ukrainischen Bevölkerung. Als die Westukraine dann der österreichischen Monarchie hinzugefügt wurde, erfuhr die griechisch-katholische Kirche große Hilfe und Unterstützung seitens der österreichischen Machthaber.
An der Schwelle zum 20. Jahrhundert kam wurde die Leitung der griechisch-katholischen Kirche der besonders würdigen Gestalt des Metropoliten Andrej Scheptyzkyj übertragen (1901–1944). Seine geistige Führung gab den Gläubigen Halt in den schweren Zeiten zweier Weltkriege und des siebenmaligen politischen Herrschaftswechsels, insbesondere unter den Diktaturen der Sowjetmacht und des Dritten Reiches. Seine Arbeit, die er mit großem Fleiß und Hirtenbewusstsein durchführte, insbesondere der Schutz des National- und Sozialrechts des Volkes, seine karitative Tätigkeit und seine Bemühungen in der Ökumene haben die Kirche zu einer einflussreichen gesellschaftlichen Institution der westlichen Ukraine gemacht.


Totalitäres Erbe – Ukraine im 20. Jahrhundert


Das, wovon die Entwicklung des religiösen Lebens in der heutigen Ukraine am meisten beeinflusst wurde, ist die Tragödie des 20. Jahrhunderts – die Epoche des Terrors und der Gewalt. Nach ungefähren Schätzungen sind in der Ukraine im 20. Jahrhundert  ca. 17. Mio. Menschen durch einen gewaltsamen Tod ums Leben gekommen. Besonders tragisch ist die Tatsache, dass diese Opfer nicht nur durch Kriege und Konflikte, sondern durch illusionäre Ideen der Schaffung einer besseren Welt verursacht wurden.
Der Kampf gegen die Religion wurde zu einer vom Staat betriebenen Ideologie, für die alle Mittel recht waren: Kirchenbauten wurden vernichtet, verbrannt, profaniert; Priester und Gläubige sowohl der orthodoxen wie auch der katholischen Kirche sowie Vertreter anderer Religionen wurden erschossen, verhaftet und in sibirische Gulags deportiert. Ganze Kirchen wurden verfolgt, in den Untergrund getrieben oder vollständig vernichtet (z.B. die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche am Anfang 30er Jahre oder die griechisch-katholische Kirche im Jahre 1946 in Galizien und 1949 in Transkarpatien). Von der römisch-katholischen Kirche und den protestantischen Kirchen blieb nur noch ein Häufchen Gläubiger übrig, die streng kontrolliert wurden. 
Sogar die Tätigkeit der russisch-orthodoxen Kirche (die als Staatskirche fungierte) litt unter starken Einschränkungen. Ihr Leiden wurde außerdem dadurch vergrößert, dass geheimdienstliche Mitarbeiter in ihre Reihen eingedrungen waren. In der Gesellschaft herrschte Geistlosigkeit und tiefste Demoralisierung.
Die Krise der Sowjetmacht in den 80er Jahren beendete den Prozess der Unterdrückung der Kirchen. Im Jahre 1989 kam die vom Staat verbotene ukrainische griechisch-katholische Kirche aus dem Untergrund hervor, es wurden Pfarreien der Ukrainischen Autokephalen Kirche gegründet. Mit der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine im Jahre 1991 wurde eine neue staatlich-politische Grundlage für die Tätigkeit aller Kirchen geschaffen.


Holodomor 1932-1933


1959-2009
JUBILÄUM 50-Jahre Exarchie